“Unsere Freundin macht die Immobilienbilder für uns.”

So und ähnlich höre ich manchmal die Begründung, warum ein möglicher Kunde auf meine Dienste verzichtet – und das ist völlig in Ordnung! Ein professioneller Fotograf kostet Geld und ein Projekt “Haus- oder Wohnungsverkauf” benötigt etwas Zeit, wenn’s richtig gemacht werden soll.

Aber von vorne… 

Warum überhaupt Immobilienbilder?

Beim Verkauf einer Liegenschaft, ob allein stehendes Haus, Reihenhaus oder Wohnung, geht es schnell um eine Stange Geld. Vielleicht haben Sie zig Jahre darin gelebt. Der Verkaufserlös fliesst in Ihre Vorsorge (oder ist die Vorsorge). Oder Sie wollen sich verbessern, haben Zuwachs erhalten und wollen in ein grösseres Haus ziehen… Auf jeden Fall sind Sie darauf angewiesen, dass der Verkaufserlös so hoch wie möglich ausfällt.

Vielleicht engagieren Sie einen Immobilienmakler, um die Immobilie möglichst gut zu verkaufen, oder Sie kümmern sich selbst darum – platzieren Ihre Liegenschaft auf Verkaufsportalen und auf social Media. Auf jeden Fall versuchen Sie, die Aufmerksamkeit möglicher Käufer auf Ihr Haus – Ihre Wohnung zu lenken. Denn Sie wissen, nur wer Ihre Liegenschaft im Getümmel aller andern Angebote sieht, kann sich dafür interessieren.

Also müssen Sie mit Ihrer Präsentation hervorstechen – Wow-Momente schaffen, die den bereits optisch überreizten Interessenten innehalten lassen.

Die Aufgabe ist gar nicht so einfach, denn jeder will seine Liegenschaft ja wohl im besten Licht zeigen – also ist die Konkurrenz gross und der durchschnittliche Qualitäts-Level der Präsentationen hoch.

Unsere Wahrnehmung wird zu grossen Teilen über die Optik bestimmt: also Bilder und Videos. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte… stimmt – und im Zusammenhang mit dem Verkauf von Immobilien trifft das umso mehr zu, denn potentielle Käufer wollen die möglichen Kaufobjekte rasch filtern – die Spreu vom Weizen trennen. Und genau das lässt sich über die optische Wahrnehmung am einfachsten und schnellsten bewerkstelligen.

Ein Objekt macht einen guten ersten Eindruck – oder nicht. Es vermittelt eine wohlige Stimmung – oder nicht. Und es lädt ein, mehr davon sehen zu wollen – oder eben nicht. 

Das Ziel jeder geschalteten Immobilien-Verkaufsanzeige ist es, die Immobilie möglichst vielen echt Interessierten zu zeigen, damit diese sich für oder gegen den Kauf der Immobilie entscheiden können. Je mehr potentielle Käufer, desto besser für die Verkaufschancen und den Verkaufspreis.

Immobilienbilder und Videos erfüllen also den Zweck, Interessenten auf das Angebot aufmerksam zu machen. Je besser und auffälliger die Präsentation, desto besser der Erfolg.

 

Was macht denn ein gutes Immobilienbild aus?

Das ist einfach: Emotion – Emotion – Emotion. Sie verkaufen Ihre Immobilie über emotional wertvolle Bilder. Wenn Sie sich beim Betrachten eines Fotos oder eines Videos gut fühlen, wenn die innere Stimme sich meldet und sagt “wow, das wäre schön hier!”, sind die Bilder – ist das Video gut, und Sie erreichen mehr potentielle Käufer.

Die Frage lautet also:

 

“Wie mache ich emotional positiv geladene Bilder und Videos meiner Immobilie?”

Und damit kommen wir zum Kern dieses Artikels…

Eine einfach Checkliste gibt es nur begrenzt. Doch fangen wir damit an:

  • aufgeräumte Liegenschaft. Alles ist an seinem Ort, sieht ordentlich aus, ist sauber.
  • Möbel sind gut, denn sie veranschaulichen, wie der bewohnte Raum aussehen kann.
  • möglichst wenig persönliche Gegenstände. Die halb-leere Petflasche auf der Küchenablage lenkt vom Wohnobjekt ab.
  • Wenn die Sonne scheint, gibt’s drinnen mehr Licht. Jedoch sollte normalerweise direktes Sonnenlicht im Raum vermieden werden.
  • Lichter eingeschaltet verbreiten einen warmen Ton. Doch Vorsicht bei Mischlicht (Tageslicht und künstliches Licht sollten sich nicht auf demselben Objekt im Bild bekämpfen)
  • Fotografische Ausrüstung:
    • Weitwinkel (15 oder 16mm Vollformat-Aequivalent) verhilft dem Raum zu Weite und Tiefe.
    • Lichtstärke: f2.8 oder besser für hellere Aufnahmen bei tieferen ISO-Werten.
    • Stativ: für verwacklungslose Aufnahmen auch in dunkleren Szenarien
    • Vertikale Ausrichtung: Versuchen Sie, die Kamera vertikal auf den Horizont auszurichten (also nicht nach unten oder oben zu halten). Damit vermeiden Sie stürzende Linien.  Bei gewissen Aufnahmen kann dies natürlich auch bewusst gewollt sein.
    • Kamera: jede halbwegs moderne Spiegelreflex oder Systemkamera wird ausgezeichnete Qualität und Auflösung liefern.
    • Licht: Manchmal muss der Kontrast zwischen Aussenlicht und Schatten im Innern reduziert werden. Strategisch günstig platzierte Blitze (an die Wand oder Decke gerichtet) auf einem Blitzständer sorgen für ausgeglichen belichtete Qualitätsbilder
    • Aufnahme in RAW (wichtig)
  • Nachbearbeitung: am besten in Lightroom oder ähnlich
    • Horizont genau ausrichten
    • stürzende Linien (senkrechte Wände) korrigieren
    • Crop auf das wesentliche konzentrieren
    • Belichtung, Kontrast, Lichter, Schatten anpassen. Ziel: nichts Wesentliches zu dunkel oder zu hell. Tendenziell eher hell wiedergeben
    • Farben: Temperatur anpassen und Sättigung bestimmen. Ziel: natürliche, satte, aber nicht übertriebene Farben
    • gezielte Lichtführung im Bild. Indem Sie wichtige Teile im Bild aufhellen bzw. unwichtige abdunkeln, bestimmen Sie den Fokus des Betrachters.
    • Alle Bilder sollten zusammen im selben Licht- und Farbspektrum residieren, also sollte die finale Entwicklung aller Bilder aufeinander abgestimmt sein.

Das hört sich jetzt wilder an als es ist. Schlussendlich kommt’s drauf an, dass Ihre Bilder gefallen. Dazu müssen nicht sämtliche Punkte oben erfüllt sein. Vergleichen Sie Ihre Bilder mit andern auf derselben Plattform, wo Sie verkaufen wollen. Halten Ihre Fotos stand? Dann ist alles gut.